Die Deutschen und die Geldanlage – innovative Konzepte sind gefragt

Sparer müssen bei der Geldanlage neue Wege gehen, meint Dennis Austinat, Deutschland-Chef bei eToro in seinem Gastbeitrag.

Die Deutschen sind bekannt dafür, sich eher fernzuhalten vom Aktienmarkt. In kaum einem anderen Land werden so wenige Aktien gekauft und Investitionen getätigt. Auch wenn es verschiedene Gründe dafür gibt, spricht dennoch viel für Aktieninvestments. Selbst in unruhigen Zeiten. Vielfältige Angebote machen das Investieren leichter – Politik und Finanzbranche müssen aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.

– Ein Gastbeitrag von Dennis Austinat, Deutschland-Chef bei eToro –

Das nun schon seit längerem unsichere politische und wirtschaftliche Umfeld schürt Misstrauen – vor allem bei potenziellen Privatanlegern. Die Weltkonjunktur gerät zunehmend ins Wanken. Beispielsweise durch den schwelenden Handelskrieg zwischen den USA und China, der sich bereits auf Chinas Wachstum niederschlägt. Im Zuge der Sanktionen gegen den chinesischen Konzern Huawei scheint sich die Lage weiter zuzuspitzen. Auch der Brexit hält Europa nun schon seit geraumer Zeit in Atem. Italiens Schuldenkrise könnte die europäische Währung sogar an den Rand des Abgrunds drängen. Aufgrund der zunehmenden Verunsicherung an den Märkten halten sowohl die EZB als auch die FED das Zinsniveau nach wie vor niedrig ohne wirkliche Aussicht auf Erhöhungen. Eher im Gegenteil.

„Tagesgeld allein ist keine gute Geldanlage“

Der angespannte Zustand an den Märkten lässt sich auch in konkreten Zahlen ausdrücken: Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone ist zuletzt auf 47,7 Punkte gefallen und signalisiert damit einen Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten in der Industrie. Gleichzeitig ist die Inflation in der Eurozone zurückgegangen. Das spricht ebenfalls dafür, dass die Zinsen auch weiterhin sehr niedrig bleiben werden.

Durch ein sich ständig veränderndes Marktumfeld haben sich auch Anlagemöglichkeiten und damit verbundene Sparkonzepte verändert. Klassische Sparkonzepte wie Bausparverträge und Festgeldkonten sind heute nicht mehr zeitgemäß und bringen in einem konstanten Niedrigzinsumfeld wenig bis gar keine Rendite. Gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge könnten Aktien- oder Fondssparpläne daher in Zukunft zu einem probaten Mittel werden. Denn das Rentenniveau, sprich die Relation zwischen der Höhe der Standardrente und dem Entgelt der Durchschnittsrente, sinkt bereits seit Jahren. Bis 2030 prognostiziert die Deutsche Rentenversicherung ein Absinken des Rentenniveaus auf 43 Prozent. Und obwohl all das Grund genug sein sollte, Anlagealternativen in Betracht zu ziehen, legen viele Deutsche nach wie vor ihr Geld auf Tagesgeldkonten an – und das trotz der im Vergleich zur restlichen Eurozone noch niedrigeren Zinsen. Laut dem Biallo-Index z.B. liegt der Tagesgeld-Basiszins derzeit bei nur 0,17 Prozent.

„Politik muss Rahmenbedingungen schaffen“

Warum also verlassen sich die meisten Deutschen weiterhin auf renditearme Sparkonzepte, anstatt sich mittels einer klugen Aktienanlage eine renditestarke Vermögensbildung zu sichern? Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland zwar im vierten Jahr in Folge gestiegen. Nach wie vor gibt es aber einen deutlichen Nachholbedarf. Im Jahr 2018 beispielsweise besaßen über alle Altersgruppen hinweg nur 16,2 Prozent der Bevölkerung Aktien oder Aktienfonds. Zum Vergleich: In den USA besaßen 2016 ein Viertel der Bevölkerung Aktien, Tendenz steigend.

Es muss also ein Kulturwandel stattfinden. Mithilfe attraktiver Angebote durch Banken und Broker kann der Zugang für potenzielle Anleger zu den Aktienmärkten deutlich vereinfacht werden. Während einige Anbieter immer noch Gebühren verlangen, die schon lange nicht mehr zeitgemäß sind, gibt es auch Angebote, mit denen man beispielsweise gebührenfrei Aktien kaufen und handeln kann. Doch neben attraktiven Angeboten sind auch Finanzbranche und Politik gefragt. Sie müssen die Rahmenbedingungen schaffen, die eine innovative Geldanlage vereinfachen. Notwendig ist also auch eine Demokratisierung des Aktienhandels, damit sich eine kapitalgedeckte Altersvorsorge durchsetzen kann.

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